Lokal erfolgreich: Interview mit TofuTussis.

Vor einigen Jahren war Tofu noch ein ziemliches „Aussenseiter“ Produkt in den Supermarktregalen. Mit der wachsenden Anzahl der Vegetarier und vor allem Flexitarier in Deutschland ist Tofu im Jahre 2015 nicht mehr von den Regalen wegzudenken. Bei den vermehrten Lebensmittelskandalen wegen Massentierhaltung, fragen sich die Kunden immer öfter woher Fleisch kommt, ob es ein Bio-Fleischbetrieb ist und ob es aus der Region kommt. Fleischproduzenten wird immer mehr Transparenz abverlangt.

In Bezug auf Tofu stellt man sich derlei Fragen eher nicht. Warum eigentlich nicht? Bei vielen Fleischersatzprodukten liest man auf der Zutatenliste viele Zutaten, die man nicht aussprechen kann. Es lohnt sich, sich den Fragen zu widmen, woher genau die Sojabohnen kommen, ob diese intensiv mit Pestiziden behandelt wurden und ob sie genmodifiziert sind. Denn „Tofu“ bedeutet nicht automatisch gesund.

Ich treffe heute Franziska Schauren und Elena Grimm – die Gründerinen vom Startup TofuTussis, die sich bei einem Grillabend genau diese Fragen gestellt haben, aber keine befriedigende Antwort gefunden haben. Bei dem herkömmlichen Supermarkt-Tofu fehlte es ihnen an Frische und Transparenz. Deswegen haben sie sich kurzerhand entschlossen, selbst mit einem Tofu-Buch eigenen Tofu zu produzieren. Daraus entstand eine lokale Tofurei in Berlin, bei der die Bio Sojabohnen aus Deutschland kommen und Tofu in diversen Geschmacksrichtungen ohne Konservierungsstoffe produziert wird.

Wie das neue EDEKA Vegithek-Experiment – eine Bedientheke mit vegetarisch-veganen Fleischalternativen – zeigt, wollen Kunden vermehrt höhere Transparenz und Frische und so liegen TofuTussis voll im Trend.

Wer sind die Gründerinnen?

Franziska und Elena sind beide Mitte 30 und seit längerem befreundet. An ihrem Namen erkennt man den leicht verschrobenen Humor von beiden und gleichzeitig den Mut, anders zu sein. Franziska ist eher die Ruhige, Verlässliche und Elena eher die Direkte und Schlagfertige bei den TofuTussis – aber genau diese Ergänzungen machen sie zu einem super Team.

Warum braucht Berlin eine eigene Tofurei?

Uns gefällt die Idee, die Lebensmittelproduktion wieder mehr in die Städte zu holen.
Dadurch, dass wir den Tofu mitten in der Stadt herstellen ist es uns auch ohne großen Aufwand möglich, ihn direkt am nächsten Tag frisch auf dem Markt zu verkaufen oder an kleinere Geschäfte weiterzugeben. Das ist ein tolles Angebot, das auch unsere Kunden sehr schätzen!

Wie habt ihr euren Tofu bis jetzt vertrieben und was ist das große Ziel?

Wegen des Frischeaspekts liegt unser Fokus schon stark auf Berlin: Bislang vertreiben wir ihn auf dem Wochenmarkt Boxhagener Platz, in einigen kleineren (Bio-)Geschäften und Cafés, die Food Assembly sowie über den Lieferservice der Markthalle Neun.

Zwar ist es unser Ziel, eines Tages vom Tofugeschäft leben zu können – dennoch möchten wir diese lokale Präsenz und den persönlichen Kundenkontakt beibehalten. Unser großes Ziel ist es nicht unbedingt, mit unserem Tofu in jedem Supermarktregal vertreten zu sein, wenn wir dafür Abstriche an der Qualität hinnehmen müssen.
Sollte es irgendwann (finanziell) notwendig sein einen solchen Weg einzuschlagen, möchten wir also auf jeden Fall zweigleisig fahren.

Was waren die größten Hürden und die größten Highlights des ersten Jahres?

Das ist schwer zu sagen. Hürden sind bei uns meist finanzieller Natur.
Ein Highlight war es im vergangenen Jahr immer wieder zu sehen, wenn unsere Produkte und unser Konzept auf Begeisterung stießen – gerade auf dem Markt bekommt man ja eine sofortige Rückmeldung von den Kunden. Das spornt natürlich zum Weitermachen an.
Die größte Hürde ist momentan tatsächlich unsere Küchensituation: Dadurch, dass wir immer noch nur zur Untermiete in einer Gewerbeküche produzieren, sind unsere Möglichkeiten natürlich stark begrenzt! Die Nachfrage an unserem Tofu ist groß und wächst erfreulicherweise stetig – aber wir kommen so nicht mehr hinterher.
Um unsere Kapazitäten zu erweitern, brauchen wir nun dringend eine eigene Tofu-Küche, die wir jederzeit nutzen und auch spezifischer ausstatten können.
Glücklicherweise haben wir ja nun einen schönen Raum im Untergeschoss der Markthalle Neun in Kreuzberg gefunden, den wir uns zur Produktionsküche ausbauen wollen. Da passen wir super hin! Und das wird (wenn wir Finanzierung, Ausbau und Umzug erstmal hingekriegt haben) dann auch unser bisher größtes Highlight: Die erste eigene Küche!“

Warum habt ihr euch für Crowdfunding entschieden? Kamen andere Alternativen in Frage?

Unsere finanziellen Mittel sind einfach aufgebraucht – wir mussten bis hierhin schon Einiges in das Geschäft investieren. Mit Krediten möchten wir uns eigentlich erst dann wieder befassen, wenn alle bisherigen Verbindlichkeiten abgegolten sind. Da wir uns gerade aber an einem Punkt befinden, an dem wir so nicht weiter kommen, musste eine schnelle Lösung her.

Crowdfunding ist eine großartige Möglichkeit, die Unterstützung vieler Gleich- oder Ähnlichgesinnter zu bekommen: So kann jede/r Interessierte mit der Beteiligung an unserer Kampagne z.B. eine Unterstützung des regionalen und traditionellen Lebensmittelhandwerks leisten – und bekommt dafür von uns ein tolles Dankeschön-Geschenk seiner Wahl. Teilweise können wir die erhaltenen Gelder dann auch in Tofu zurück zahlen.

Außer finanzielle Unterstützung, welche Partner wünscht ihr euch? Welche Kooperation würde euch am besten weiterbringen?

Wir freuen uns immer über eine gute Zusammenarbeit und vor Allem auch den Austausch mit anderen Firmen oder Projekten. Gerade als Start-Up können wir da wirklich noch viel von anderen lernen und bekommen wertvolle Tips. Und andersrum verfügen auch wir so langsam über einen gewissen Erfahrungsschatz und können Neustartern teilweise nützliche Hinweise geben. Generell sind wir erstmal offen für jegliche Art von Kooperationen und gespannt, was sich noch so ergibt!

Die Crowdfunding Kampagne von TofuTussis läuft noch bis zum 25 März 23:59 bei Indiegogo

Tofutussis Berlin 2015

About the Author

Polina Marchenko hat ihr Master Studium in Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin absolviert. Schon als Studentin war sie als Trainee bei dem Deutsche Telekom T-Labs Startup Incubator (jetzt Hub:Raum) engagiert und hat damit Corporate und Startup Welt zeitgleich kennengelernt. Sie hat bei dem weltweit ersten Startup Weekend Food Innovation gewonnen und so das Potential und den Bedarf für mehr Innovationen im Lebensmittelbereich erkannt. Polina hat 2013 das Food Startup KptnCook gegründet, für das sie jetzt zwischen Deutschland und den USA pendelt. Für den E-Food Blog berichtet Sie exklusiv über internationale Trends und neue Startups im Food Bereich aus dem Silicon Valley und anderen Hotspots

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2 Comments

  1. Ich find euch beide super! Ihr seit der Beweis das es wirklich frisches Tofu gibt! Ich besuche euch beide auf jeden Fall mal ich möchte uunbedingt mal eure Tofuvarianten kosten! 🙂
    LG Karin

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